CODE VIKING 1942-2021

Aktueller Hinweis:  im Sommer 2024 machten wir uns auf den Weg von Berlin nach Narvik, zu den ehemaligen Lagern in Bjørnfjell und Beisfjord, im Kopf die Geschichte der jugoslawischen Zwangsarbeiter. Davon haben wir am 1. November berichtet, dabei auch einen filmischen Reisebericht gezeigt. Dieser ist  auf Youtube zu sehen.

In Kooperation mit dem Center for Public History in Belgrad und dem War and Peace Museum। Narviksenteret in Narvik sowie mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (im Förderprogramm „Jugend erinnert“) veranstaltete Vajswerk das Rechercheprojekt Code Viking 1942-2021.

Beginnend – in der Pandemie – mit online-Treffen auf nationaler und internationaler Ebene, machten sich im Sommer 2021 Jugendliche aus Serbien, Deutschland und Norwegen selbst auf den Weg: nach der Geschichte der Zwangsarbeiter, die ab dem Sommer 1942 vom deutsch-besetzten Serbien ins deutsch-besetzte Norwegen deportiert wurden.

Die Reise nach Berlin wurde dabei von einem schweren Busunfall überschattet; aber schließlich gibt es Bilder aus Belgrad und Narvik, mit denen das Projekt bei einer hybriden Veranstaltung zu seinem Abschluss finden konnte.

Am 25. November wurden eine 22-minütige Projektdokumentation sowie einzelne Filme der Jugendlichen gezeigt: als Stream und an lokalen Orten in Berlin und Belgrad. Alle Filme sind nun zu sehen auf http://www.blodveger.info

Den Flyer für die Abschlussveranstaltung gibt es hier … und unten folgt noch die Ausschreibung von Anfang 2021, als Projektinfo.

 

GROSSES KINO DDR

Einen historischen Fall – und mutmaßlichen Filmstoff – nimmt das Recherchetheater Vajswerk zum Ausgangspunkt für seine neue Darstellung von DDR-Geschichte und dessen Rezeption. An der Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst zeigte bereits TAMARA BUNKE. EINE HELDIN WIRD GEMACHT die Wechselwirkungen von Biographie und Instrumentalisierung. Die konkrete Geschichte einer tödlichen Republikflucht wird nun in GROSSES KINO DDR zur Auseinandersetzung mit dem zentralen Begriff von deutscher Teilung und Einheit: mit dem Begriff Freiheit und dessen politischer und gesellschaftlicher Deutung. „Er wollte nur die Freiheit“ heißt es auf dem Denkmal für den erschossenen Peter Fechter, das zehn Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer errichtet wurde.

Im Kalten Krieg erklärte Axel Cäsar Springer die an der innerdeutschen Grenze erschossenen Flüchtlinge für „Gefallene im deutschen Freiheitskrieg“. Gilt dies auch für Peter Reisch, der am 5. Juni 1962 an den Sperranlagen im Harz tödlich verwundet wurde? Dem Todesschützen – der zuerst geehrt wurde und dann seinerseits in den Westen floh – wurde ein Jahr später in Stuttgart der Prozess gemacht: Das Urteil gegen F. H. wurde zum ersten gegen die sogenannten Mauerschützen. Zu diesen beiden Männern gehört auch eine Frau; ein Brief an sie stecke in der Jackentasche des Republikflüchtlings. In der Heimat fest verwurzelt, geriet sie zwischen die Fronten und lebt heute in Thüringen.

Die Geschichte dieser drei ist ein Stoff, aus dem großes Kino gemacht wird, das dem DDR-Bild eines millionenfachen Publikums entspricht. Beispiele hierfür gib es zahlreiche in der Populärkultur, im gesellschaftspolitischen Mainstream: Freiheitswille versus Repression; DDR-Geschichte dient heute als Folie zur Legitimierung unserer freiheitlichen Gegenwart.

Vajswerk untersucht nun einerseits das Narrativ von Freiheit, Unterdrückung und Flucht in den 40 Jahren der Teilung und den 30 Jahren der Einheit und beschäftigt sich andererseits mit dem authentischen Fall – und den Folgen jener Schüsse aus dem Sommer 1962.

Hier finden Sie drei der zehn Puzzleteile der Inszenierung für das Heimkino:

Mit bzw. von: Laura Mitzkus, Charles Toulouse, Manolo Palma, Markus von Schwerin; Julia Jägle, Mirko Winkelmann, Stefan Paul-Jacobs, Anne Decker, Christian Tietz; Paul Fenski, Mareike Trillhaas.

Die Uraufführung war am 29. Oktober 2020 in der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde; am 12. November 2020 war das Stück als Stream zu sehen, zur Prime Time um 20:15. Im Sommer 2022 gab es eine Wiederaufnahme, eine regelrechte Tour: an drei Orten in Berlin sowie in Erfurt, Stuttgart und Egeln. Eine eigene Jugendfassung zeig(t)en wir  am 1.&2.Dezember 2022, am 6.&7. Juli 2023 sowie am 5.&6. Dezember 2024 und aktuell am 8.&11. Juli 2025 – im Haus der Jugend Zehlendorf; am 8.7. um 19:00 &  am 11.7. um 09:00 und 12:00. – Außerdem machten wir uns im April 2024 auf zu einer 2. Deutschlandtour, mit besagter Jugendfassung. 2.4. Halle/Roter Ochse  – 3.4. Egeln/Schule an der Wasserburg – 5.4. Helmstedt/Arbeiterwohlfahrt – 12.4. Berlin, Felix-Mendelsohn-Bartholdy-Gymnasium – 22.4. Rathenow/Kulturzentrum.


Projekt im Prozess: der Blog zu Großes Kino DDR

[psac_post_carousel design=“design-1″ show_author=“false“ show_tags=“false“ show_comments=“false“ show_category=“false“ show_read_more=“false“ media_size=“thumbnail“ sliderheight=“200″ dots=“false“ category=“6″]


Das Projekt wurde gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, vom Fonds Darstellende Künste im Förderprogramm „#takeheart“ sowie vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf/KiA: Berliner Förderung der darstellenden Künste für ein junges Publikum.

Den Flyer zur Uraufführung finden Sie hier. Den Flyer zur Tour und Wiederaufnahme im Sommer 2022 finden Sie hier.

 

BLODVEGER

Vajswerk Recherche Theater Berlin
Blodveger
Дороги крови
Krvavi Putevi
Recherche-Theater-Projekt

Blodveger
Deutsch-norwegisch-schwedisch-russisch-serbisches Recherche-Theater-Projekt über sowjetische und jugoslawische Zwangsarbeiter im deutsch-besetzten Norwegen während des Zweiten Weltkriegs.
Historiker*innen aus Berlin, Narvik, Stockholm, Belgrad und Archangelsk recherchieren nach Lebensgeschichten von Zwangsarbeitern in Norwegen unter deutscher Besatzung. In BLODVEGER (Blutwege) lassen sie Zeitzeugnisse sprechen und stellen diese in den historischen Zusammenhang.
Deutschland hatte am 9. April 1940 aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen Norwegen überfallen. Rund 130.000 Zwangsarbeiter – hauptsächlich aus der Sowjetunion und Jugoslawien – wurden dorthin verschleppt und vor allem für den Bau von Befestigungsanlagen, Straßen und Eisenbahnen eingesetzt. 16.500 von ihnen starben.
Die multi-perspektivische Inszenierung wird komplett in Berlin und Narvik gezeigt und auszugsweise mit den jeweiligen Länderschwerpunkten in Skinnskatteberg, Belgrad und Archangelsk präsentiert.
Bei der Berliner Abschlussveranstaltung wird www.blodveger.info freigeschaltet.

Blodveger
Et tysk-norsk-svensk-russisk-serbisk forskningsteaterprosjekt om sovjetiske og jugoslaviske tvangsarbeidere i det tyskokkuperte Norge under andre verdenskrig.
Historikere fra Berlin, Narvik, Stockholm, Arkhangelsk og Beograd har undersøkt tvangsarbeidernes liv i Norge under den tyske okkupasjonen. I BLODVEGER lar de tidsvitnene tale og setter deres beretninger inn i en historisk kontekst. Den 9. april 1940 ble Norge invadert av Nazi-Tyskland på grunn av strategiske og økonomiske interesser. Rundt 130 000 tvangsarbeidere, hovedsakelig fra Sovjetunionen og Jugoslavia, ble deportert til Norge. Under umenneskelige forhold arbeidet de for den tyske okkupasjonsmakten, de bygget veianlegg og jernbane samt forsvarsanlegg langs hele kysten. 16 500 av dem overlevde ikke. Den multiperspektivistiske oppsetningen blir vist i sin helhet i Berlin og Narvik, mens i Arkhangelsk, Beograd og Skinnskatteberg blir den presentert med fokus på det aktuelle landet.
Ved avslutningsarrangementet i Berlin blir nettsiden www.blodveger.info lansert.

Дороги крови
Немецко-норвежско-шведско-русско-сербский театрально-исследовательский проект
о советских и югославских принудительных работниках в Норвегии во время немецкой окупации.
Историки из Берлина, Нарвика, Стокгольма, Белграда и Архангельска исследуют биографии советских и югославских граждан, занятых на принудетельных работах в оккупированной нацистами Норвегии. В «Дорогах крови» историки используют свидетельства очевидцев, помещая их в рамки исторического контекста.
9 апреля 1940 года из стратегических и экономических соображений Германия напала на Норвегию и оккупировала ее. . Нацисты отправили в Норвегию на принудительные работы около 130 000 тысяч человек, преимущественно из Советского Союза и Югославии. Их труд использовался в первую очередь на строительстве укреплений, улиц и железнодорожных путей. 16 500 из них умерло.
Эта театральная постановка, отражающая взгляды на ситуацию с разных сторон, будет показана в Берлине и Нарвике полностью и выборочно – в Скиннскаттеберге, Белграде и Архангельске.
После заключительного представления в Берлине будет открыт доступ к сайту
www.blodveger.info

Krvavi Putevi
nemačko-norveško-švedsko-rusko-srpski projekat istraživačkog pozorišta o sovjetskim i jugoslovenskim prinudnim radnicima u Norveškoj, pod nemačkom opsadom za vreme Drugog svetskog rata.
Istoričari iz Berlina, Narvika, Stokholma, Beograda i Arhangelska istražuju lične priče prinudnih radnika u Norveškoj pod Nemačkom okupacijom. U Krvavim Putevima čuju se izjave svedoka tog vremena postavljene u istorijski kontekst.
Nemačka je 9. Aprila 1940, iz strateških i ekonomskih razloga, napala i zauzela Norvešku. Oko 130000 prinudnih radnika – najviše iz Sovjetskog Saveza i Jugoslavije – odvedeni su u Norvešku i iskorištavani pretežno za gradnju bunkera, puteva i pruge. 16500 ih je umrlo.
Multiperspektivna inscenacija će u celosti biti prikazana u Berlinu i Narviku, a u Skinskatebergu, Beogradu i Arhangelsku će se prezentovati projekat sa težištem na zemlji domaćinu.
Na završnoj manifestaciji u Berlinu će biti puštena u rad vebstranica: www.blodveger.info


Bloodways
Nazi Forced Labor in Northern Norway

A Norwegian-Russian-Serbian-Swedish-German research theater project by Vajswerk, the German-Russian Museum in Berlin and the Narviksenteret Norway.
Anyone who passes the Arctic Circle in Norway will take photographs or just look at the magnificent landscape of the Saltfjell. However few are aware that Nazi forced laborers laid the ground: Yugoslavian and Soviet forced laborers built the roads and the railways. They were the main victims of this gigantic and inhumane infrastructure program of the German occupiers. Of the 4,000 Yugoslav forced laborers, only 40% survived. The Yugoslav and Soviet forced laborers are subject to our biographical research theater project.

From a European perspective, we describe the Nazi forced labor in Northern Norway, the everyday life of forced laborers. Historians from Norway, Russia, Serbia and the country of escape Sweden and their respective German colleagues form a tandem of historiographical research. At an international conference and through the final presentations, representative individual fates are documented in a historical context. That will take place in Berlin, Narvik, Arkhangelsk, Belgrade and Skinnskatteberg. A website in German and Norwegian (with excerpts in Russian, Serbian and English) will be created at the same time: www.blodveger.info.

With Michael Stokke/Narvik and Sinje Kätsch/Berlin; Dr. Marina Panikar/Archangelsk and Ingrid Damerow/Berlin; Dr. Milan Koljanin/Beograd and Beate Niemann, Jovan Arsenić/Berlin; Hanna Sjöberg/Berlin; Head of the project: Gaby Oelrichs. Theater director: Christian Tietz
The project is funded by the Foundation EVZ „Remembrance, Responsibility and Future“.

Am 17. Oktober 2018 fand im Deutsch-Russischen Museum das internationale Colloquium zu BLODVEGER statt. Die Uraufführung von BLODVEGER war dann am 10. März 2019 in Berlin-Karlshorst zu sehen. In Narvik wurde anschließend das Stück komplett gezeigt (19.3.); Projektpräsentationen folgten in Skinnskatteberg (26.3.), Belgrad (6.4.) und Archangelsk (9.4.) – Ein Nachfolgeprojekt startet im Frühjahr 2021 parallel in Belgrad, Narvik und Berlin: Code Viking 1942-2021

Den Flyer der Veranstaltung finden Sie hier.

ANKUNFT BERLIN

ANKUNFT BERLIN. Ein Recherche-Theater-Projekt in zwei Teilen

Teil 1:
Im März 2017 wurden 15 junge Geflüchtete zu Autoren ihrer eigenen Geschichte: In zwei Workshops mit dem Medienpädagogen Paul Rieth und Projektleiter Mirko Winkelmann lernten sie Filmen und Schneiden – mit ihrem eigenen Mobiltelefon.

Sie berichteten von einem Ding, das sie vermissen, entbehren, das sie verloren haben. Von diesem verlorenen Ding erzählten sie an einem Ort, den sie selbst bestimmen, vor einem Kameramann, den sie selbst bestimmten.

Am Anfang und am Ende des Projekts kamen alle Jugendlichen zusammen; das Projekt startete mit dem gegenseitigen Kennenlernen bei der Eröffnungsveranstaltung und endete mit einer Präsentation vor Publikum. Ein Ergebnis der Workshops ist hier zu sehen:

Aufgrund des Persönlichkeitsrechts und in Absprache mit unserem Kooperationspartner, der sozialpädagogischen Praxis Langer, können an dieser Stelle leider nicht alle Ergebnisse der Workshops veröffentlicht werden.

Unser Dank gilt allen Teilnehmern und Unterstützer*Innen des Projekts.

Projektleitung: Mirko Winkelmann
Assistenz: Margarita Iov; Janetta Stroutchenkov
Workshops: Paul Rieth, Mirko Winkelmann
Pädagogische Mitarbeit: Marcus Heusel

In einem zweiten Teil von ANKUNFT BERLIN entwickelt Vajswerk eine historische Perspektive und blickt vom Ende des 1. Weltkriegs auf hundert Jahre Immigration nach Berlin. Die aktuellen Erzählungen und Filme der jugendlichen Flüchtlinge aus dem ersten Teil von ANKUNFT BERLIN werden damit integraler Bestandteil eines Gesamtpanoramas, eines imaginären Museum der verlorenen Dinge.

Teil 2:

Ein zufälliger Ort, ein Warteraum, ein Café, ein Bahnhofscafé. An dieser Stätte – in einer Stadt namens Berlin – führt das Schicksal sechs Menschen zusammen. Das Schicksal? Die Geschichte, unsere Geschichte, unser Stück. Sechs Biographien, die sich in einem Punkt kreuzen, aber hundert Jahre durchmessen und in verschiedenen Teilen der Welt beginnen: in Indochina, im osmanischen Reich, in der Sowjetunion, in Jugoslawien, in Galizien, in Schlesien, im Sudentenland.

Die sechs Menschen kommen aus Ländern, die mittlerweile nicht mehr existieren, zu neuen Staaten wurden, an andere Staaten fielen. Jetzt befinden sich diese Sechs auf einer Theaterbühne. Nicht als authentische Figuren im historischen Gewand. Biograph*innen haben nach ihnen recherchiert, sind in Archive gestiegen, haben Erinnerungen gelesen, Interviews geführt – haben für ein imaginäres Museum nach verlorenen Dingen gesucht. Sie sprechen.

In der Wirklichkeit des Theaters kommen diese Menschen zusammen, im Laufe eines Theaterabends entfalten sich ihre Lebensgeschichten, werden zum Panorama unserer Stadt. Erzählt wird anhand von Exponaten, so wie es sich für ein Museum gehört. Die Spielfassung gleicht einem Ausstellungskatalog, wie es Orhan Pamuk in seinem Roman „Das Museum der Unschuld“ beschreibt: die Summe der einzelnen Gegenstände ergibt die Geschichte, hier die Geschichte von sechs Menschen. Wie beim Literaturnobelpreisträger wird das Vajswerk-Museum „ausgewiesenermaßen ein Ort zum Leben.“

Teil 1 wird gefördert vom Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung. Die Uraufführung von Teil 2 steht noch aus.